Gewoehnung an die Gefahr

Written by Administrator
 

 
 

Gleitschirmfliegen- Unfall durch Gewöhnung an die Gefahr?

Wenn man sich das so richtig überlegt ist der nächste Flugunfall eigentlich vorprogrammiert. Der Kreislauf des Gleitschirmfliegens beginnt mit Vorsicht, Lernen, Überprüfen und Überdenken. Danach folgt eine Übungs- und Korrekturphase, und dann kommt endlich die Zeit in der ich meine Flüge genießen kann, weil ich Vertrauen in das Fluggerät und mein Können gewonnen habe. Aber was folgt dann?

 Die Misere erinnert mich an Butcher, einen netten Kerl aus Speyer, der es geschafft hat, sich mit seiner Kreidler in zwei Jahren sechsmal in der gleichen Kurve  hinzulegen. Jetzt könnte man denken, der ist vielleicht beim ersten Mal auf den Kopf gefallen, aber weit gefehlt. Es war einfach so, dass er diese Kurve jeden Tag gefahren ist, und jeden Tag etwas besser. Bald war es soweit, dass er derjenige von seinen Kumpels war, der Kurven mit der größten Schräglage fahren konnte. Das war unumstritten, außerdem konnte man das an den abgeschliffenen Fußrasten seines Mopeds sehen. Nun fuhr Butcher seine Kurve nach einiger Zeit perfekt. Vielleicht hat er gedacht, es muss auch noch etwas tiefer gehen oder es lag etwas Rollsplitt auf der Straße, aber irgendwann rutschte plötzlich das Hinterrad weg und er lag mit seiner Kreidler im Graben. Nicht viel passiert! Lenker und Blinker hinten waren bald repariert und die Schürfwunden, die von der halben Siedlung danach bestaunt wurden waren schnell verheilt. Eine Woche später wurde schon wieder geheizt. Anfangs noch etwas auf Sparflamme, aber es wurde jeden Tag besser. Langsam arbeitete er sich wieder an die alte Kurvenperfektion hin. Um es kurz zu machen: nach dem sechsten Sturz bekam er von seinem Vater ein Auto.
 
Die gleiche Geschichte ist es mit dem Toplanden. Man macht es oft. Zu Anfang ist man voll konzentriert, macht sich Gedanken über Wirbel, Luftströmung, Windstärke und die anderen Piloten, die vielleicht starten wollen oder auch in der Nähe fliegen. Es herrscht richtiger Toplandestress! Mit der Zeit wird das spürbar besser. Du wirst cooler und meisterst auch schwierige Bedingungen. Toplanden gehört zum Fliegeralltag. Es gibt zwar schon noch Tage, an denen du unten landest weil der Wind oder die thermischen Ablösungen am Startplatz zu stark sind, aber die werden mit der Zeit immer seltener.  Es gibt sicher Startplätze, da kannst du auf den großen Klapper beim Toplanden warten!  
Dummerweise gibt es das Gewöhnungsproblem in allen Bereichen des Gleitschirm- und Drachenfliegens. Bestes Beispiel ist das Vergessen des Einhängens beim Hängegleiten, welches immer noch ein großes Sicherheitsproblem darstellt. Selbst Weltmeister John Pendry ist es passiert, dass er beim Umsteigen auf seinen Ersatzdrachen übersehen hat,  seinen Karabiner  mit dem Fluggerät zu verbinden. Er hat es dann tatsächlich geschafft, das in der Luft nachzuholen. Die gleiche Problematik hatten wir vor einigen Jahren mit den offenen Beingurten beim Paragleiten. Glücklicherweise verhindern das mittlerweile die Rausfallsicherungen (SM- Gurte ) der Gurtzeuge.
Nachdem es solcherlei  Maßnahmen für andere Bereiche des Gleitschirmfliegens nicht gibt bleibt uns nur das permanente selbstkritische Überprüfen des eigenen Könnens und der jeweiligen Flugbedingungen verbunden mit einem offenen Ohr für die Meinung anderer Piloten. Damit meine ich nicht das anerkennende Schulterklopfen, wenn du dich beim Einbomben dreimal überschlagen hast.  
Um es nochmal auf das Toplanden zu beziehen:

Ein guter Pilot weiß, wann er oben oder unten landen muss- ein schlechter landet immer oben!

Weitere gute Beispiele:
Bodenabstand beim Spiralen o. Ähnlichem,
Starten bei starkem Wind und
Hangabstand beim Soaren.

Ich freue mich ueber eure Meinung. Einfach links einloggen und kommentieren! 

 


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